Yamaha TX750 020 Nippon ClassicIn Japan ist es üblich, Konstrukteuren von Flops einen Arbeitsplatz am Fenster zu verpassen- mit Blick nach draußen. Den Ingenieuren, die für die Konstruktion der Yamaha XS 750 verantwortlich zeichneten, dürfte es wohl so ergangen sein. 

1972 brachte Yamaha eine 750er mit OHC Twin zuerst auf den amerikanischen, dann auf den europäischen Markt. Das Motorrad war gefällig gezeichnet und recht hochwertig ausgeführt mit Doppelschleifenrahmen, zwei groß (300 mm) dimensionierten Scheibenbremsen vorne und einer Trommel hinten. Der Griff zu einem Zweizylinder war eigentlich mutig, denn die Konkurrenz von Honda und Kawasaki bot bereits Vierzylinder Triebwerke an. Eine aufwändige Konstruktion sollte dies wettmachen. Der Twin bot immerhin 51 PS und war für eine Höchstgeschwindigkeit von 186 km/h gut. Doch schon sehr bald  erwies sich die Zuverlässigkeit des Gleichläufers als völlig unzureichend. 

Im Detail: Das OHC-Triebwerk verfügte über eine obenliegende Nockenwelle, die – per Einfach-Rollenkette angetrieben – zwei Ventile pro Zylinder über Kipphebel betätigte. Die einteilige Stahlkurbelwelle war dreifach gleitgelagert. Im Unterschied zu anderen Gleichläufern jener Tage bekam der Motor zwei Ausgleichswellen spendiert, um auftretende Vibrationen zu eliminieren. Der seidenweiche Lauf des Yamaha-Twins war einzigartig, vorausgesetzt, dass sich die zuständige Kette zum Antrieb der beiden gegenläufig rotierenden Ausgleichsgewichte nicht längte und die Wirkung des Balancers ins Gegenteil umkehrte. Leider erwies sich die Ausgleichswellenkette nach einiger Laufleistung als schwächstes Glied. Sich überlagernde Massenkräfte führten dann zu heftigen Motor-Vibrationen. Eine wesentliche Schwachstelle der 1972er TX 750 waren auch die thermischen Probleme des Motors, hervorgerufen durch das am Zylinderkopf angeflanschte Interferenzrohr. Da Kurbelwelle, Pleuel und Nockenwelle sich in Gleitlagern bewegten, waren diese besonders von der Schmierfähigkeit des Motoröls abhängig. War dieses zu heiß, konnte die lebensnotwendige Schmierung versagen und Motorschäden hervorrufen. Um das Manko in den Griff zu bekommen, rief Yamaha die Maschinen offiziell zurück. Die Vertragshändler montierten dann einen zusätzlichen Ölkühler.

Alles dies nützte freilich nichts mehr, der ruf war ruiniert. Bereits 1974 verschwand die TX 750 wieder aus den Schaufenstern der Händler, die Konstrukteure saßen vermutlich noch länger mit dem Blick nach draußen…..