Als vor 11 Jahren nach langer Pause wieder Motorräder der altehrwürdigen Marke vom Band eines ganz neuen Werkes rollten, glaubten viele Fans an ein Auferstehen der legendären Zweizylinder. Doch sie wurden herb enttäuscht.

Der neue Besitzer John Bloor dachte nicht im Traum daran, Twins nach einen Konstruktionsprinzip aus den Dreißigern zu bauen und brachte statt dessen moderne Motorräder auf den Markt, die sich schnell den Ruf der absoluten Zuverlässigkeit eroberten. Doch ein Traditionsname verpflichtet offensichtlich doch, zudem zeigte die japanische Konkurrenz, daß die Retro-Welle doch noch besteht und so ist jetzt unter dem Namen Bonneville ein brandneues Bike mit dem Outfit der späten 60er erhältlich.

Das Verhältnis zu Motorrädern im Retro-Look ist meist gespalten. Viele Oldtimer-Freunde lehnen derartige Kreationen strikt ab, sie wollen das Wahre , das Echte. Doch das ist meist teuer und auch nicht immer alltagstauglich, und so finden doch Viele den Geschmack an der Neuauflage- überhaupt wenn sie einen derartigen Traditionsnamen trägt. Bonneville, das erinnert an die 50er und 60er als die englische Marke in den vereinigten Staaten äußerst erfolgreich ihre schnellen Zweizylinder verkaufte und ein bis aufs äußerste getuntes Exemplar auf einem Salzsee mit weit über 300km/h einen Weltrekord aufstellte. Sofort bekam das Spitzenmodell den Namen des Sees verpaßt, bis in die 80er hinein wurde jeweils eine Baureihe mit der von den Fans liebevoll mit „Bonnie“ abgekürzten Bezeichnung versehen.

Nun ist sie also wieder da, sie trägt stolz den alten Namen und auch die Optik der späten 60er. Liebevoll wurde jedes noch so kleine Detail von den Briten gezeichnet, von den Speichenrädern mit den polierten Radnaben über den tropfenförmigen ,mit einer Zweifarben-Lackierung versehenen Tank bis hin zum Einzelinstrument mit den kleinen Kontrolleuchten im Blickfeld des Fahrers. Die Innereien des bildschön gezeichneten Twins sind jedoch neu und modern. Auch wenn uns die Motordeckeln ein getrenntes Getriebegehäuse suggerieren wollen und der Zylinderkopf verdächtig nach einer alten Triumph aussieht, hier wurde zeitgemäßer Motorenbau angewendet. Anders beim Fahrwerk Die Reifendimensionen wurden auch so ähnlich in den 60ern verwendet, auch die Feldelemente sehen aus als kämen sie direkt aus dieser Zeit. Verzögerung.

Die erste Sitzprobe erweckt sofort Erinnerungen an die „guten“ alten Zeiten. Der Lenker paßt sofort, die Sitzposition mit den um 90 Grad abgewinkelten Knien ist „urenglisch“ und der Platz auf der langen Sitzbank äußerst bequem. Einen Kickstarter sucht man vergeblich, dafür springt der Zweizylinder auf den ersten Knopfdruck an. Der Klang ist zunächst etwas enttäuschend ebenso wie die Leistungsentfaltung. Anstatt wie erwartet schon ab Standgasdrehzahl zu ziehen wie der sprichwörtliche Traktor, benötigt die neue Bonneville im Gegensatz zu ihrem Urahn Drehzahlen, um ihre Leistung zu entfalten und auch wie ein echter kerniger Twin zu klingen. Schade daß ein Drehzahlmesser fehlt, er gehörte auch damals schon zumindest zum zeitgenössischen Sonderzubehör. Dafür benimmt sich das Fahrwerk genauso wie man es von einer „alten“ britischen Lady erwartet. Dank des 19 Zölligen schmalen Vorderrades läßt sich die Bonneville recht zielgenau im die Ecken zirkeln und benötigt genau jenen Nachdruck, der auch damals schon bei beherzter Fahrweise notwendig war. Natürlich ist auch der Geradeauslauf tadellos, lediglich die Bremsanlage nervt mit langen Leerwegen an den Hebeln. Hier hätte man gleich die Trommeln des Vorbildes verbauen können, sie waren sicher auch nicht viel schlechter. Doch die Käufer der neuen Bonneville werden vermutlich überwiegend beschaulich motorradwandern oder ihre neue/alte „Bonnie“ zu einem Cafe- Racer wie in guten alten Zeiten umrüsten, mit Höckersitzbank, anderer Auspuffanlage und Ähnlichem. Zubehör dafür gibt es schon zuhauf.  

 

Technische Daten Triumph Bonneville

Motor: Vierzylinder Viertakt luft- gekühlt, vier Ventile/Zylinder, DOHC

BohrungxHub: 86 x 68 mm

Hubraum: 790 ccm

Leistung: 61 PS (45 KW) bei 7.300 U/min

max. Drehmoment: 62 Nm (6,3 kpm) bei 3.500 U/min    

Getriebe: 5 Gang

Starter: elektrisch

Fahrwerk

Rahmen: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrundrohr

Federung v/h: Telegabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser, Zweiarmschwinge aus Stahl mit zwei Federbeinen

Federweg v/h: 120/105 mm

Bremsen v/h: je eine Einzelscheibe mit Doppelkolbenschwimmsattel Durchmesser 310 mm/ 255 mm

Bereifung v/h: 100/90-R 19/ 130/80- R18

Gewicht: 230 trocken   

Sitzhöhe: 775 mm

Tankinhalt: 16 Liter

Preis: ATS 119.990 / Euro 8.720

Vertrieb: Triumph Motorrad Deutschland GmbH, Otto Hahn-Straße 20, 61381 Friedrichsdorf- BRD