Morinis Corsaro ist vielen Fans zu futuristisch. Dem kann abgeholfen werden.

Moto Morini 9 1 2 TitelViele der alten Windgesichter erinnern sich noch daran, wie die eigentlich eher unscheinbaren Morinis so Mitte der Siebziger mit den großen Japanern aufräumten. Ein tadelloses Fahrwerk, darin ein V- Motor der scheinbar mühelos die Drehzahlleiter erklimmt und dazu italienisches Flair machten die kleinen Motorräder aus Bologna unsterblich, auch als sie Mitte der Achziger in der Versenkung verschwanden.


Seit einiger Zeit gibt es wieder Morinis und man ist bei er Wiederbelebung der Marke erstaunlich konsequent vorgegangen. Anstatt irgendwo bereits bewährte Motoren einzukaufen, scheute man den Aufwand nicht, selbst Triebwerke zu konstruieren und auch zu bauen. Und man rief dazu niemanden geringeren als Franco Lambertini, der schon die legendären V- Motoren in den Siebzigern konstruiert hatte. Lambertini zeichnete natürlich wieder einen V, aber diesmal eine Nummer größer und mit dem ungewöhnlichen Zylinderwinkel von 87 Grad. In der Corsaro leistet dieser Kraftlackel  mit knapp 1200 cm³ satte 140 PS, für den klassische Roadster mit der Bezeichnung 9 1/2  sollte eigentlich ein kleineres Triebwerk mit etwa einem Liter konstruiert werden. Doch man verwarf den Plan, vermutlich auch aus Kostengründen und so wurde auch die „Kleine“ mit dem großen Motor versehen. Allerdings wurde er entsprechend dem neuen Einsatzzweck kräftig modifiziert, kleinere Ventile und zahmere Nockenwellen sollen für mehr Schmalz aus dem Drehzahlkeller und einen homogenen Drehmomentverlauf sorgen. Dazu kommt ein einzelner Auspufftopf und ein entsprechendes Mapping für die Einspritzanlage.


Die Kur ist voll gelungen, der Motor ist im klassischen Roadster nicht wieder zu erkennen. Schon ab etwa 2.000 U/min-1  zieht die 9 ½ los wie ein 15er Steyr, legt über den gesamten Drehzahlbereich kräftigst zu und wird erst etwa 1.500 Umdrehungen vor dem Begrenzer etwas schwach.  Dort allerdings bewegt man sich mit einem unverkleideten Motorrad ohnehin kaum, auch die unteren Drehzahlregionen reichen durchaus, um auch noch in der Zweiten das Vorderrad zu lupfen.  Das von der Corsaro übernommene Fahrwerk ist ohne Tadel und leistet sich in keinem Bereich Schwächen. Dazu kommt noch eine Handlichkeit, die in dieser Klasse ihresgleichen sucht. Verantwortlich dafür ist unter anderem der fast schon zu breite Lenker, der auch einer Supermoto gut zu Gesicht stehen würde. Die Sitzposition ist damit und einem recht sportlichen Kniewinkel gerade recht für den Ausflug auf die Hausstrecke am Sonntag nachmittag, wenn auch die letzte Radarfalle schon eingepackt und die Beamten ihren wohl verdienten Feierabend genießen. Früher sollte man kaum losfahren, denn man unterschätzt auf dem sauber und beruhigend vor sich hin brabbelnden Twin permanent die Geschwindigkeit. Sie läßt sich zudem auf dem von der Corsaro übernommenen Digital-Display vor allem bei grellem Sonnenlicht schwer ablesen, während die Laser Pistolen einen untrüglichen Speicher besitzen. Wir würden hier zwei Uhren für Geschwindigkeit und Drehzahl bevorzugen, sie passen auch viel besser zu den Speichenrädern, die leider nicht aus Alu, sondern aus schnödem Stahl sind. Und weil wir schon beim Murren sind, auch hinsichtlich des Verbrauchs könnte durchaus etwas geschehen. Wir wissen schon , daß gerade Twins mit Leistung keine Kostverächter sind, doch die Frequenz der Tankstellenbesuche ist schon recht kurz. Dafür beißen die Brembo-Stopper auch richtig fest zu, die hebeleinen gehen leicht und die Verarbeitung ist tadellos. Monster Aspiranten sollten sich vor dem Betreten des Ducati Outlets die Morini nochmals genau ansehen, denn sie bietet eine gute Alternative, die dazu nicht vor jedem Cafe steht.....