Die California von Moto Guzzi ist mittlerweile zu einem Klassiker schlechthin geworden. Dieses Motorrad stellt den Cruiser schlechthin dar und existiert schon länger als der Ausdruck dafür. Mittlerweile kann die Italienerin stolz auf eine Fangemeinde blicken die sich für ihre „Cali“ entleiben lassen würden.

Es war irgendwann am Anfang der Siebziger Jahre. Da hatten die Polizei aus dem sonnigen Kalifornien einfach die Schnauze gestrichen voll von der Unzuverlässigkeit ihrer Harleys und hielten nach Ersatz Ausschau. Bei Guzzi am Comer See hatte man damals bereits Erfahrungen mit den heimischen Behörden und rüstete kurz entschlossen das Tourenmodell V7 mit einem großem Sattel, einem runden Tank und Trittbrettern aus- die Cops waren begeistert. Sehr bald schon wollten auch Zivilisten das Teil fahren, das daraufhin als California einen festen Platz im Angebot der Firma fand. Bis heute bildet diese Guzzi das Rückrat der Modellpalette und hat auch in schlechtesten Zeiten das Überleben der Firma gesichert. Dabei wurde nur sehr dezent Modellpflege betrieben, denn jede radikale Änderung hätte sofort zu einem lauten Murren in der Fangemeinde und verkehrt proportionalen Verkaufszahlen geführt. Mittlerweile gibt es die „Cali“ in vielen Versionen, von „Sport“ über diverse „Stone“ genannte Basic-Versionen bis hin zu Sondermodellen mit spezieller Luxusausstattung. Hier hat man von Harley Davidson gelernt, wie man mit einer beliebten Basis spielt und sie interessant hält. Die Grundversion hört nun auf das Kürzel EV und verkörpert noch immer noch genau das, was die Biker An diesem Motorrad so lieben. Den Motor zum Beispiel, der entgegen sich hartnäckig haltender Gerüchte nicht von einem Betonmischer stammt, sondern eigentlich für militärische Zwecke entwickelt wurde und auch für den Einbau in einen kleinen Fiat gedacht war. 90 Grad V, quer eingebaut und luftgekühlt, heißen die Eckdaten, die Leistung ist mittlerweile von knapp 35 auf immerhin 75 PS geklettert, Tuner locken aus der altehrwürdigen Konstruktion heute weit über 100 Pferde. Dicke Gehäusewandungen machen das Triebwerk nicht nur stabil, sondern auch mechanisch leise, eine Einspritzung sorgt für leichte Bedienkräfte am Gasgriff und wenig Lastwechselspiel und ein hydraulisch betätigter Ventilspielausgleich beim 2002er Modell für günstige und lange Wartungsintervalle. Mit viel Detailarbeit haben die Ingenieure dem Motor eine Laufkultur anerzogen, die Kenner immer wieder in Erstaunen versetzt. Abgesehen von den eher ungeschlachten Hubraummonstern vom Schlage einer Honda VTX 1800 gehört das Guzzi Triebwerk auch zu den kräftigeren Vertretern seiner Art und ist auch einer sportlichen Gangart nicht abgeneigt. Passend dazu wurde das Fahrwerk geschnitzt, das früher sogar mit dem der Sportler des Hauses ident war. Heute ist es immer noch beinhart abgestimmt, so daß vor allem der Beifahrer trotz bequemer Sitzbank nie über Straßenunebenheiten im Unklaren gelassen wird. Dafür gibt’s kaum Reaktionen vom Kardanantrieb, getreu dem Motto „Wo kein Federweg, da auch keine Probleme damit“. Einen ausgezeichneten Eindruck hinterläßt die großzügig dimensionierte Brembo-Bremsanalge, die wie schon seit Anfang der 80er Jahre als Integralbremse mit Bremslastausgleich ausgeführt ist. Dies bedeutet, so daß mit dem Fußbremspedal eine Scheibe vorne und die hintere Scheibe verzögert und mit der Handbremse nur zusätzlich die zweite vordere Scheibe aktiviert wird. Funktioniert sehr gut und sollte so bleiben. Weniger schön ist vor allem für größere Zeitgenossen die Anordnung der Trittbretter, sie sind recht hoch und weit vorne angebracht, so daß eine eher merkwürdige Sitzhaltung eingenommen werden muß. Allerdings gewährt diese Anordnung sehr viel Schräglagenfreiheit, die auch gerne genützt wird. Übertreiben sollte man den Spaß aber nicht, denn die Ausleger sind starr und hebeln beinhart das Vorderrad von der Straße.

Gut gefallen konnte die Verarbeitung und die Lackierung, hier haben die neuen Eigner von Aprilia offensichtlich ein glückliches Händchen bewiesen. Wir empfehlen aus dem reichhaltigen Zubehör noch eine kleine Scheibe, um die Oberarmen bei flotter Gangart zu entlasten, mehr würde dieses Monument von Motorrad nur verwässern.  

            

Technische Daten Moto Guzzi California EV 80

 

Motor: V 2, luftgekühlt 90 Grad quer eingebaut, elektronische Einspritzung

Hubraum: 1064cm3,

Bohrung/Hub: 92 x 80 mm

max. Leistung: 75PS/54 kW bei 5000 min-1,

max. Drehmoment: 94 Nm. bei 5000 min-1,

Verdichtung: 9,5:1

Treibstoff: Super

Kraftübertragung: 5 Gang, Kardan

Rahmen: Stahlrohr Doppleschleifenrahmen

Radaufhängung: vorne Telegabel mit 45 mm Standrohrdurchmesser, hinten Zweiarmschwinge mit Kardan im rechten Schwingenholm und zwei Fderbeinen

Bremsen: Integrales Bremssystem mit Lastausgleich, betätigt über Fußbremse, vborne zwei Scheiben 320 mm mit Vierkolbebzangen, hinten eine Scheibe 282 mm mit Zweikolbenzange

Felgen: Speichenfelgen für Schlauchlosreifen 18 x 250 – MT hinten 17 x 4,00 – MT

Bereifung: vorne 110/90-18-61V, hinten 150/70-17-69V

Gewicht: 251kg trocken

Radstand: 1560 mm

Tankinhalt: 19 l

Vmax: ca. 180 km/h

Vertrieb: Fa Ginzinger Frankenburgerstraße 19, A- 4910 Ried/innkreis

Preis: € 13.728