Es gibt Motorräder, die werden von den Fans einfach erwartet. So wie die große Hornet, die eigentlich schon seit mindestens zwei Jahren mehr als überfällig ist. Nach dem Erfolg der 600erter war es nur logisch, daß man bei Honda in den Baukasten greifen und eine hubraumstärkere Version nachliefern würde.

In der großen Klasse der naked Bikes war Honda bisher nur mit der X 11 verteten, einer mächtigen 110erter, die in ihrer Wuchigkeit nicht unbedingt nach jedermanns Geschamck geraten ist. Im Gegensatz dazu hat sich die Hornet 600 (eigentlich ein Ableger einer in Japan sehr beliebten 250er Vierzylinder) zu einem wahren Kassenschlager entwickelt. Trotz ihreer Einfachheit ist sie ein ausgezeicnetes Allround- Motorrad, doch wünschten sich viele Motorrad-Freaks einfach mehr Hubraum und vor allem Drehmoment, gepaart mit gutem Handling. Diese Ansprüche soll nun die große Schwester befriedigen.    

Im Gegensatz zur bisherigen Philosphie der Japaner sieht die nicht nur aus wie die 600erter, sondern ist auch weitgehend ident. So entspricht der Rahmen bis auf die Wandstärke der Stahlbleche dem kleinen Modell, lediglich die Gabel wurde kräftiger dimensioniert und eine Schwinge aus Leichtmetall verbaut. Auch der Motor ist ein alter Bekannter. Er stammt aus dem 98er Modell des Supersaportlers Fireblade und wurde für seine neue Aufgabe mit einer elektronischen Einspritzung versehen und auf moderate 109 Pferde gedrosselt. Auch bei der Optik ließ man sich auf keine Experimente ein, die Verkaufszahlen der 600erter sprechen Bände darüber, daß der Geschmack der europäischen Kundschaft haargenau getroffen wurde. Bis auf die links und rechts unter der Sitzbank verlegten Auspuffendtöpfe (die 600erter hat nur einen) sieht die neue Hornet aus wie gewohnt. So ist denn auch der erste Eindruck bestimmt von der Zierlichkeit dieses Motorrades, wohl kaum eine 1000er (ausgenommen vielleicht die Raptor von Cagiva) ist derartig klein. Kein Wunder, wenn man nach dem Druck aufs Knöpfchen fast überrascht wird vom kräftigen Baß des Vierzylinders. Wie schon von der guten alten Fireblade gewohnt, zieht der Motor bereits aus dem Standgas kräftig und bestimmt, um über das ganze Drehzahlband zwar nicht mit heftigem Biß, aber mit einem enormen Durchzug zu glänzen. Die schon oben erwähnte Drosselung hat diesem Triebwerk nichts genommen, im Gegenteil, kaum ein anderer Motor glänzt mit einer derartigen Laufruhe und transportiert seine Leistung so entspannt in Richtung Hinterrad. Genau richtig für den täglichen Weg zur Arbeit, der großen Tour oder der Ausfahrt mit Freunden. Honda-typisch ist alles was man anfaßt schaltet, kuppelt und sonstwie betätigt leicht und am richtigen Fleck. Hornet fahren ist auch mit der Großen ein einfaches Spiel geblieben, es gibt keine Überraschungen. Höchstens, daß die größere Ruhe in langgezogenen Kurven positiv auffällt, wohl auch ein Verdienst des um 40 mm gewachsenen Radstandes. Auch die Gewichtsverteilung dürfte noch besser gelungen sein. Obwohl das Fahrwerk mit einer nicht verstellbaren Gabel und der recht weichen Grundabstimmung eher einfach gestrickt ist, gibt es sich lammfromm und wird mit der gebotenen Leistung in jeder Situation fertig. Problemlos gibt sich auch die Bremsanlage und die Bereifung, obwohl die Hornet dazu neigt, sich beim Hineinbremsen in Kurven etwas aufzustellen.

Nur wer genauer hinsieht, der entdeckt jene Stellen, wo der Rotstift des Controllings gnadenlos zugeschlagen hat. Bei einem Schalthebel zum Beispiel, der aus schnödem Blech herausgestanzt wurde oder einem Kettenspanner, der vermutlich auf der Blechpresse nebenan gebogen wurde. Doch hier liegt ein breites Betätigungsfeld der diversen Tuning-Firmen und Zubehörhersteller. Die Hornet 900 wurde geschaffen, um in der großen Klasse die Rolle des Underdog zu spielen, nicht so aristokratisch wie ein Monster, nicht so kräftig wie die große Fazer und nicht so drehmomentstark wie die Kawasaki ZRX. Sie kann von allem etwas, gibt sich locker wie ein Turnschuh und wartet darauf, mittels etwas Phantasie personalisiert zu werden.    

 

Technische Daten HONDA Hornet 900

Motor: 4-Zylinder in Reihe flüssigkeitsgekühlt, zwei obenliegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, elektronische Saugrohreinspritzung.

BohrungxHub: 71 x 58 mm

Hubraum: 919 ccm

Leistung: 109 PS (80kW) bei 9000 U/min

max. Drehmoment: 91 Nm bei 6500 U/min

Getriebe: 6-Gang

Endantrieb: Kette

Starter: elektrisch

Rahmen: Zentralrohrrahmen aus Stahlprofilen,  Telegabel 43 mm /Zweiarmschwinge aus Aluguß, direkt angelenktes Zentralfederbein Federweg v/h:120/128 mm

Bremsen v/h: je Doppelscheibe mit Vierkolbensattel 296 mm/Einzelscheibe mit Einkolbensattel 240 mm

Bereifung v/h: 120/70- ZR17 / 180/55 ZR 17

V-max: k.A

Gewicht: 194 kg trocken

Sitzhöhe: 795 mm

Tankinhalt: 19 Liter

Preis: 10.750 Euro