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Hauptkategorie: Motorrad

Honda RuneHonda Austria brachte mit der „Rune“ als einziger Importeur in Europa die Designer Gold Wing auf den heimischen Markt.

„Es wird nur zwanzig Stück geben, außerhalb der USA wird dieses Motorrad nur bei uns offiziell verkauft. “ Mit diesen knappen Worten stellte Roland Berger, der Verkaufsdirektor von Honda Austria im Sommer 2004 ein wohl einzigartiges Motorrad vor, das man gerade von einem japanischen Hersteller nicht erwartet hätte. Berger-San, wie ihn seine japanischen Kollegen hochachtungsvoll nennen, hat schon des öfteren mit dem Import von eigentlich nicht für den europäischen Markt vorgesehenen Modellen eine gute Nase bewiesen. So brachte er zum Beispiel in den Achzigern die Honda Hawk aus den USA ins Land, der kleine aber feine Zweizylinder avancierte blitzartig zum auch heute noch geschätzten Kultobjekt.  Auch die Rune wird dieses Schicksal wohl teilen, auch deshalb weil nur 1500 Stück vom Fließband im amerikanischen Honda Werk in Ohio rollten.     

Die Rune basiert auf der Valkyrie, in Europa auch F6C genannt, im Prinzip einer unverkleideten Gold Wing. Doch im Gegensatz zu der eher konventionell gestylten großen Honda ist an der „Rune“ alles anders. Ihr Design basiert auf Umfragen und diversen Studien, aber auch auf von Privatleuten aufgebauten Custom-Bikes. Honda hat mit diesem Motorrad einen Cruiser  gebaut, der fast völlig einer schon vor einiger Zeit vorgestellten Studie entspricht. Dieses Motorrad kommt dem Streben der Custom-Fraktion nach einer absoluten Einzigartigkeit sehr weit entgegen. Dazu wurde ein Weg gegangen, der offensichtlich nichts mit kommerziellen Überlegungen zu tun hat. Hier wurden auch in der Serien-Produktion absolut keine Kompromisse in Sachen Design oder Finish eingegangen, das Motorrad wirkt, wie von einem absoluten Edel-Tuner gebaut, nur eben mit der von Honda üblichen Perfektion. So sind zum Beispiel keine Elektroleitungen sichtbar, alles wurde im Rahmen oder im Inneren des Lenkers versteckt. Auch die digitalen Armaturen oder Kontrollleuchten finden sich in gefälligen Paneelen, verborgen, aber gut sichtbar wenn man sie braucht. Alles wirkt aus einem Guß, nirgendwo wird schnöde Großserientechnik sichtbar. Das Kernstück ist der Motor der neuen Gold Wing ,der mit über 1,8 Litern Hubraum die immerhin über 390 Kilogramm schwere Fuhre überraschend behende beschleunigt. Überraschend ist auch das Handling, denn bei einem Radstand eines Kleinwagens erwartet man normalerweise kaum auch nur den Anflug von Kurvenwilligkeit. Auch die Springer-Gabel federt und dämpft zufriedenstellend, eine Eigenschaft die ähnlichen Konstruktionen der Konkurrenz nicht unbedingt zu eigen ist. Die Rune lässt sich auch in engen Kehren gut bewegen, die Bodenfreiheit erlaubt auch einmal Schräglagen, die man diesem Motorrad gar nicht zutraut. Die guten Bremsen, eine nicht zu extreme Sitzposition sowie ein betörend aggressiver Sound aus der mächtigen Auspuffanlage lassen das Gewicht von fast 400 Kilogramm schnell vergessen.

 

 

 

Nicht zu vergessen ist der Preis, denn Honda ließ sich die Exklusivität auch bezahlen. Doch die knapp 40.000 Euro sind zumindest dann gut angelegt, wenn man Aufmerksamkeit erregen will. Denn wer Rune fährt, der sollte alles sein nur nicht kontaktscheu. Vom hochgereckten Daumen aus Autofenstern und durch Schiebedächer bis hin zum Angebot des Tankwartes auf einen Gratisparkplatz, um das Geschäft an der Zapfsäule anzukurbeln, passiert einfach alles, auf diversen Treffen ist man ohnehin der Star. Dazu kommt aber eine Alltagstauglichkeit, die so manchem aufregenden Custombike einfach abgeht, Honda hat hier einmal mehr ausgezeichnete Arbeit abgeliefert.

Fotos: Armin Farkas

 

Daten

Preis: 39.000 €
Motor:  6-Zylinder Boxer,  flüssigkeitsgekühlt, je eine obenliegende Nockenwelle, zwei Ventile/Zylinder, elektronische Saugrohreinspritzung.
BohrungxHub: 74,0 x 71 mm
Hubraum: 1832 cm³
Verdichtung: 9,8:1
Leistung: 112 PS (83kW) bei 5500 U/min
max. Drehmoment: 162 Nm bei 3500 U/min
Getriebe: 5-Gang
Endantrieb: Kardan
Starter: elektrisch
Rahmen: Brückenrahmen aus Aluguß, Motor mittragend, 
Federung v/h: Springergabel , Einarmschwinge aus Aluguß, Zentralfederbein mit Hebelumlenkung 
Bremsen v/h: Doppelscheibe mit Dreikolbensattel 330 mm/Einzelscheibe mit Zweikolbensattel 336 mm, kombiniertes Bremssystem (CBS)
Bereifung v/h: 150/60- 18 / 180/55 R 17
V-max: ca. 200 km/h
Gewicht: 368 kg trocken
Sitzhöhe: 690 mm
Tankinhalt: 23 Liter
Radstand: 1750 mm