Nachdem der 1150er Motor nun nach und nach in allen großen Boxer-Modellen verbaut wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die RS in den Genuß einer Modellpflege kommen würde. Insider meinen es war auch hoch an der Zeit, denn der 1993 als erstes Modell der letzten Baureihe vorgestellte Tourensportler gilt schon als Urgestein.

Angesichts des fahrfertigen Gewichts von satten 246 Kilogramm werden sich viele fragen, wie dies mit dem Ausdruck „Sport“ vereinbar sei. Doch ersten wurde dieser Begriff von den Bayern schon immer etwas weitläufig ausgelegt und zweitens bedeutet sportliches Fortbewegung für viele Motorradfahrer nicht gerade das Herunterspulen von schnellen Runden auf irgendeiner Rennstrecke. Vielmehr soll die RS ein Motorrad für den Fahrer sein, der eigentlich gerne auf Tour geht, aber auch einmal forsch am Gasgriff dreht, wenn es gerade paßt. Eine Idee, die auch Ducati mit der ST Baureihe, Triumph mit der Sprint oder Auch Honda mit der VFR ebenso verfolgt. Die Modellpflege soll nun auch die bisher etwas vernachlässigte RS wieder in den Blickpunkt der Kunden rücken. Optisch muß man sehr genau hinsehen, dann aber fallen die glatteren Verkleidungsseitenflächen, der nun serienmäßige Unterteil und die neuen fgiligranen Räder ins Auge. Auch eine mechanisch verstellbare Verkleidungsscheibe erleichtert nun auch größeren Zeitgenossen den Aufenthalt bei höheren Geschwindigkeiten, das Instrumentarium ist von den anderen Boxern ebenfalls altbekannt.

Wesentlich mehr hat sich auf der technischen Seite getan. Der neue Motor mit nunmehr 1150 ccm stammen wie das sechsgang-Getriebe vom Tourer RT, wie bei dieser ist der letzte Gang als Overdrive ausgelegt. Neu ist auch die EVO Bremse am Vorderrad mit den mächtigen 320er Scheiben und dem elektrischen Bremskraftverstärker. Dieser macht nicht nur durch seine ankerhafte Verzögerung von sich reden, sondern auch durch seine Geräuschentwicklung, die etwa wie eine drei Häuser entfernte Kreissäge unter Vollast klingt. Im Fahrbetrieb fällt sofort eine bisher ungewohnte Handlichkeit auf, die das doch recht stattliche Gewicht schnell vergessen macht. Sie ist ein Ergebnis des Wechsels auf ein zeitgemäßes 17-zölliges Hinterrad, das nun auch die Besohlung mit modernen Gummis erlaubt. Der neue Motor selbst paßt hervorragend zur Auslegung als Tourer mit sportlichem Einschlag. Im untersten Drehzahlbereich etwas unwillig und ruppig, fühlt er sich ab etwa 2.000 U/min pudelwohl und zieht wie der sprichwörtliche Ackerschlepper bei fast jeder Beladung und Steigung. Über 6.000 U/min wird er etwas unwirsch, noch weiter drehen macht ihn richtig rauh und brummig. In der Praxis fällt dies nie ins Gewicht, denn ganz automatisch stellt man sich auf den optimalen Drehzahlbereich ein und ist damit unauffällig, aber nie unflott unterwegs. Die 95 Pferdchen sind meist mehr als vollzählig vorhanden, BMW ist hier bekannt für Untertreibungen. Beim Getriebe dürfte nun endlich eine gewisse Feinarbeit des Zulieferers Getrag Früchte getragen haben, denn zumindest bei unserem Testexemplar ließen sich die Gänge leicht und ohne lästige Geräuschkulisse sortieren. Ob wir hier nur am oberen Ende der Serienstreuung gelegen sind oder dies nun der Standard ist, wird sich spätestens im Laufe der nächsten Saison herausstellen. Das Fahrwerk selbst blieb weitgehend unverändert, es erfreut durch neutrales Verhalten in Schräglage und läßt erstaunlich sportliche Fahrweise zu. Etwas nervend ist das durch die Gummilagerung des Lenkers fehlende Feedback der Aktionen des Vorderrades. Dies ist um so schlimmer, da bedingt durch die durch das BMW spezifische Federungssystem Telelever ohnehin nur sehr dürftige Rückmeldungen an den Lenker und damit den Piloten gelangen.

Auf der Habenseite stehen dafür sehr geringe Nickbewegungen beim Anbremsen und ein tadelloses Federungsverhalten. Lediglich kurze Stöße gelangen noch an den Rücken der Besatzung, aber auch hier wird man bei BMW wohl bald Abhilfe schaffen. Bleibt zum Schluß nur zu erwähnen, daß auch für die neue RS ein umfangreiches Zubehörpaket wie etwa Heizgriffe, Koffersysteme und vieles mehr erhältlich ist und der Preis von knapp 200 Tausendern sich nun mitten im Bereich der Konkurrenz befindet.

 

 

Technische Daten Bikes klein

Motor: Zweizylinder Boxermotor, viertakt, luft/öl-gekühlt, vier Ventilepro Zylinder, elektronisches Motormanagement 3-Wege Katalysator

BohrungxHub: 101x 70,5 mm

Hubraum: 1130 ccm

Verdichtungsverhältnis: 10,3 : 1  

max. Drehmoment: 100 Nm bei 5.500 U/min

Leistung: 95 PS(70 KW) bei 7.205 U/min

E‑Starter: ja

Kupplung: Einscheiben/trocken

Getriebe: 6-Gang

Endantrieb: Kardan

Rahmen: Tragende Motor-Getriebeinheit, Hilfsrahmen aus Stahlrohr            

Schwinge: LM Einarm,im Motor gelagert Kardan innenliegend  

Federung vorne: Dreieckslenker mit Zentralfederbein und Telegabel

Federweg: 120 mm                                     

Federung hinten: Einarmschwinge mit Zentralfederbein

Federweg: 135 mm    

Räder: LM  

Reifendimension v/h: 120/70-ZR 17 / 170/60-ZR 17          

Bremsen v: Doppelscheibe mit Vierkolbenzangen und elektrischem Bremskraftverstärker, ABS auf Wunsch. 320 mm Scheibendurchmesser                                                              

Bremsen h: Einzelscheibe mit Zweikolbenzange 276 mm Scheibendurchmesser        

Gewicht: 246 kg fahrfertig                                    

Radstand: 1473 mm  

Sitzhöhe: 780 bis 820 mm                

Tankinhalt: 23 Liter

Preis: 14.300 Euro