nachrufDer wohl bekannteste Museumsdirektor in der österreichischen Zweirad-Szene war  Friedrich Ehn, der am 27. Mai nach einer kurzen Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben ist.

Etwa 300 Exponate umfasst die Ausstellung des „ersten österreichischen Motorradmuseums, Sammlung Ehn in Sigmundsherberg im malerischen Waldviertel im Norden Österreichs. Sie war auch schon größer, doch das ist eine andere Geschichte. Doch beginnen wir am Anfang:

Ehn wurde 1941 in Wien geboren, also mitten in die Kriegsjahre hinein. Zu seinem Schutz verfrachteten ihn seine Eltern auf das Land zu Verwandten, hier gab es weniger Bombenangriffe und vor allem regelmäßig etwas zu essen. Schon als kleiner Bub faszinierten ihn Motorräder und im zarten Alter von sechs Jahren entdeckte er ein völlig ausgebranntes Kleinkraftrad, das von den Soldaten beim Rückzug zurückgelassen wurde. Immer wieder wurde das Wrack einen Hügel hinauf geschoben um wieder hinunter gerollt zu werden, bis es an einer Hausmauer verendete. Doch „Fritz“ gab nicht auf. Erste Gehversuche mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor, einer sogenannten Foxinette folgten, später auch mit anderen Mopeds aus der Zeit. In den fünfziger Jahren besaß der Vater eine Puch 500 mit Seitenwagen, mit der des Öfteren auch Speedway- rennen besucht wurden. Natürlich wurde auch die heimlich „getestet“. Später folgte dann eine Puch MS 50 eine sogenannte „Stanglpuch“ wie sie zu der Zeit sehr populär war. Danach folgte eine Puch SGS 250 ein „Vollwrack“ wie Ehn selbst sagte. Einer der Höhepunkte seines damaligen Lebens war das Maturageschenk seines Vaters, eine Brough Superior SS 80 Baujahr 1927. Daneben wurde schon fleißig „Alteisen gesammelt, ich kann mich noch lebhaft an Erzählungen von Motorradteilen unter dem Bett und Ähnlichem erinnern. Zu der Zeit lehnte wohl in jeder Scheune ein altes Motorrad herum, das niemand mehr wollte und die Meisten waren froh, wenn jemand den Schrott“ mitnahm. So wurde die „Sammlung“ größer und größer und der damalige Student wusste bald gar nicht mehr wohin damit. Im elterlichen Garten in einer Nobelgegend Wiens wurden die Motorräder vorerst unter alten LKW Planen untergestellt, mit Duldung des Vaters und zum Entsetzen der Mutter.

Mittlerweile war Ehn Berufsschullehrer für KFZ Technik an der Berufsschule in der Wiener Mollardgasse, der sogenannten „Mollardburg“. Bis heute können sich Mechaniker, die dort ausgebildet wurden, an den motorradverrückten Lehrer erinnern, der oft stundenlang mit leuchtenden Augen über „seine“ Bikes referierte. Inzwischen war die Sammlung so groß geworden, dass die alten „Plachen“ nicht mehr ausreichten und immer wieder Ausweichquartiere gefunden werden mussten. Doch nichts war von Dauer, bis ein Schupfen im Waldviertel gefunden wurde. Doch inzwischen war der Plan von einem eigenen Museum gereift, es sollte den Namen „Erstes österreichisches Motorradmuseum“ tragen. Vom Mietobjekt in Achau bei Wien, über Gemeinschaftsprojekte bei Mistelbach an der Zaya oder in Drosendorf, oder einem Schlosskauf in Oberstinkenbrunn bis zum Kauf einer alten Schmiede im Waldviertel wurden Versuche gestartet, die letztendlich alle an allen möglichen widrigkeiten scheiterten. 1980 erfuhr Ehn, dass in Eggenburg (NÖ) eine ehemalige Feigenkaffeesiederei nach dem Auszug der dortigen KFZ-Berufsschule leer stünde. Man wurde sich mit dem Stadtrat einig und sofort begann ein Umbau und die komplette Restaurierung des Gebäudes. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich auch den rührigen Professor kennen gelernt, wir arbeiteten damals zusammen bei „Superbike“ dem ersten Österreichischen Motorradmagazin der Neuzeit. Die Sammlung selbst war damals wild zusammengewürfelt, hatte aber durchaus Charme. Die leider vier zu früh verstorbene Ehefrau Monika „Mim“ kümmerte sich rührend um Leib und Seele der Belegschaft und der vielen freiwilligen Helfer. Ehn war mittlerweile zum Direktor der Berufsschule für KFZ Technik aufgestiegen, sie befand und befindet sich noch heute im 21. Wiener Gemeindebezirk und bekam den Namen „Siegfried Markus- Schule“ 2008 schließlich kam es zu einem Zerwürfnis mit der Eggenburger Stadtregierung, der auch die Kündigung folgte. Die Sammlung wurde danach in das nahe gelegene Sigmundsherberg, wo Ehn die „Herberge des Sigmund“ also das Gebäude um das herum der Ort gegründet wurde gekauft hatte, gebracht. 2009 kam schließlich das Angebot des dortigen Bürgermeisters, ob man nicht wieder ein Museum eröffnen wolle, man hätte da eine leer stehende ehemalige Strickerei. Nun gesagt, getan, seitdem gibt es das Museum wieder.

Ehn hat aber nicht nur Motorräder gesammelt, er hat auch über sie geschrieben: Sein „Puch- Buch“ ist die Bibel für die Fans dieser alten Marke, dazu gibt es noch Publikationen über KTM, Lohner und vieles mehr. Daneben hat der gute „Fritz“ auch noch ein bemerkenswertes Archiv angelegt, um vor allem die Geschichte des österreichischen Motorrades zu erhalten. Ein Vorhaben, das durchaus gelungen ist. Nun ist er in aller Stille von uns gegangen ….

Kasten:

Name: Friedrich Ehn, Prof. Dipl.HTL-Ing.( +79)

Beruf: gelernter Maschinenbauer. Fachbuchautor, Museumsinhaber und allg. beeideter und geerichtl.zertifizierter Sachverständiger

Berufung: klassische und historische Motorräder vor dem Vergessen zu bewahren

Website: www.motorradmuseum.at

Statement:
Den endlichen Dingen einen Hauch von Ewigkeit zu geben,

sie für die Nachwelt aufzubewahren, zu dokumentieren und darüber zu schreiben