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Hauptkategorie: Motorrad

rikuo 350 2Der Beginn der japanischen Motorradindustrie war gekennzeichnet von Kopien. Manche waren sogar besser als das Original.

Bereits in den 20er Jahren begann eine Kooperation zwischen Harley Davidson und dem Medizinfabrikanten Sankyo Seiyaku, der bald darauf eine Lizenz zum Bau der amerikanischen V-Twins erwarb. Es dauerte nicht lange und es kam zu Unstimmigkeiten zwischen den Partnern beider Länder und so bauten die Japaner die Harleys einfach ohne Lizenzierung weiter und zwar unter dem Namen Rikuo was so viel bedeutet wie „König des Landes“. Doch nicht nur die Harleys waren den findigen Japanern aufgefallen, sondern auch die Modelle von BMW, die damals einen Ruf der absoluten Zuverlässigkeit innehatten. Und vor allem benötigte der japanische Markt kleinvolumigere Bikes, etwa wie es die R 25 mit einem viertel Liter Hubraum war. Sie wurde zu dieser Zeit schon von einigen anderen Herstellern wie Lilac, DSG und BIM kopiert. Doch bei Rikuo, mittlerweile im Besitz von Showa (ja dem Federbein-Hersteller!) wollte man mehr. Nach dem Klonen der R 25, die unter der Bezeichnung FB 250 firmierte, sah man sich das modernisierte 1955 vorgestellte Nachfolgemodell R26 der Münchener genauer an. Und dann wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Man ersetzte die Langschwinge im Vorderrad durch eine hauseigene Gabel (no na) , verabschiedete sich von der Geradewegfederung hinten und bohrte den Single auf, sodass er nun auf 350 cm³ Hubraum und etwa 18 PS kam, das waren immerhin drei mehr als beim „Original“. Der BMW-typische Kickstarter wurde durch einen klappbaren Hebel ersetzt, wie ihn auch andere Motorräder besaßen. Übernommen wurde der im Schwingenholm verlaufende Kardanantrieb sowie die Trockenkupplung. Das Äußere kam wesentlich moderner daher, es gab eine Sitzbank anstatt der Einzelsättel und einen schönen tropfenförmig geformten Tank.

Die Rikuo war sicherlich zu ihrer Zeit mindestens genauso zuverlässig wie das Vorbild, trotzdem wurde sie nie ein Erfolg. Mittlerweile hatten Hersteller wie etwa Honda bereits echte Eigenentwicklungen im Programm, die nicht nur schneller und billiger, sondern auch noch zuverlässiger als die europäischen Motoräder ihrer Zeit waren. 1959 wurde die Produktion der Rikuo AC 350 eingestellt, 1962 die komplette Motorradproduktion bei Rikuo. Spätestens von da an hatte man es in Japan nicht mehr nötig, zu kopieren….