nano FlowCell Quant FNanoflowcell ist ein Unternehmen das in Liechtenstein registriert ist. Man könnte glauben, dass die Ankündigungen des Neulings die Autobranche – allen voran Tesla – in Aufregung versetzt.

Tatsächlich ist Aufregung in der Autobranche eher enden wollend. Bereits im Jahr 2009 berichtete der Schweizer Tagesanzeiger über den „wundersamen Solarforscher“ aus Zürich. Damals sorgte der Werbetext „Mit Sonnenenergie von 0 auf 100 in 5,2 Sekunden“ auf dem Genfer Autosalon für Aufregung. Die Aussagen wurden laut „Tages-Anzeiger“ von Nunzio La Vecchina wieder relativiert.

So wird auf der offiziellen Homepage folgendes behauptet:

„Die Ende 2013 gegründete nanoFlowcell AG ist ein innovatives Forschungs- und Entwicklungszentrum in Vaduz, Liechtenstein. Im Fokus der Forschung der nanoFlowcell AG steht die Weiterentwicklung der Antriebstechnik und Systematik der Flusszellen-Technologie. Im Simulationslabor des nanoFlowcell DigiLab in Zürich untersucht der führende Kopf und Entwicklungsleiter, Nunzio La Vecchia, mit seinem Team entscheidende Punkte der Quantenchemie auf Basis des Molekular Engineering.“

Wer nach Liechtenstein ins schöne Vaduz fährt, um die Werkhallen der nanoFlowcell AG zu besichtigen steht vor einer Anwaltskanzlei, die im Impressum von NanoFlowcell angegeben ist:

Dr. Roland Müller
Landstrasse 30
FL-9494 Schaan

Herr Dr. Müller wird unter anderem auch auf der Seite des ADAC als Vertragsanwalt gelistet. Die Adresse des nanoFlowcell DigiLag konnten wir nicht ausfindig machen. Laut Pressemeldung soll sich in Weissach (Liechtenstein) das Zentrum für die Weiterentwicklung mit 100 Forschern und Entwicklern befinden. Auch hier konnten wir die genaue Adresse nicht in Erfahrung bringen. Das liegt eventuell daran, dass es in Liechtenstein laut google maps kein Weissach gibt. Wahrscheinlich ist die Rede von Weissach in Baden Württemberg, wo auch Porsche eine Niederlassung hat.

Dies ist alles sehr erstaunlich für einen Wagen der unglaublich Werte haben soll. Der Allradantrieb wird über 4 elektrische Radmotoren angetrieben und eine Systemleistung von 801 KW (1090 PS) haben. Das Spitzendrehmoment pro Rad liegt bei unglaublichen 2.900 NM.

Gespeichert wird die Energie in 2x250L Liter Tanks. Noch erstaunlicher sind die Leistungswerte. Von 0 auf 100 km/h benötigt der Quantum F gerade mal 2,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 300 km/h und die projektierte Reichweite liegt bei bis zu 800 km. Und das alles mit einem Leergewicht von 2,3 Tonnen. Der Energieverbrauch soll bei nur 20 kWh pro 100 km liegen.

Es gibt eine goldene Faustregel. Wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es meisten nur schön. Um der Sache auf den Grund zu gehen haben wir den Pressesprecher angeschrieben, aber bis jetzt leider keine Antwort erhalten. Ok, offenbar ist man bei Nanoflowcell sehr beschäftigt. Schwerer wiegen da die Meldungen in der Schweizer Presse. So berichtet Blick nicht gerade zimperlich über das Wundertalent mit der Elvis Frisur:

Auch andere Medien haben ihre Zweifel und legen den Verdacht nahe, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Kernpunkt der Auseinandersetzung ist die Flusszellentechnologie, welche 1976 von der NASA patentiert wurde und bisher vor allem zur Speicherung von Energieüberschüssen beim Betrieb von Wind- und Solarkraftwerken eingesetzt wird.

Vor allem in den Schweizer Medien wird über Nunzio La Vecchia berichtet. So kann man über einen Prozess mit einer mittlerweile verstorbenen Millionärin lesen, die sich getäuscht fühlte, zivilrechtliche Forderungen in Millionenhöhe dürften gerade verhandelt werden, ein Doktortitel, welcher angeblich gekauft sei und dass vieles eher dem Wunsch nach einer großen Erfindung, als eine soliden Entwicklung sei. Überprüfen lässt sich derzeit tatsächlich nicht viel. Außer dass Nunzio La Vecchia offenbar eine musikalische Begabung hat und einige Video Clips veröffentlicht hat. Unbestritten ist hingegen sein Marketing Talent.

Im März 2014 war noch folgendes auf der Homepage von nanoflowcell zu lesen, wo die Rede von einem Autodidakten ist. Hierzu gibt es prinzipiell nichts dagegen einzuwenden:

„Führender Kopf und Entwicklungsleiter ist Nunzio La Vecchia. Er wurde 1965 in Brugg in der Schweiz geboren. Der Physiker und Autodidakt eignete sich sein Wissen in einem vierjährigen Selbststudium an. Heute ist er Eigentümer mehrerer Unternehmen und führt mit dem nanoFLOWCELL DigiLab ein eigenes Forschungszentrum in Zürich. Nunzio La Vecchia hat bereits mehr als 60 länderspezifische Patente in den Bereichen Solarenergie, Plasmaenergie, Digitaltechnik und Elektronik entwickelt und angemeldet. Mit seiner Arbeit möchte er die Elektromobilität in neue Dimensionen führen. Neben der technischen Herausforderung treibt ihn dabei die Suche nach ökologischen und nachhaltigen Lösungen an. „

Leider konnten wir die Firma nanoFLOWCELL DigiLab nicht bei unserer Recherche im schweizer Handelregsiter finden (http://www.zefix.ch - Stand 11.3.2015). Bei den Patenten war unsere Überlegung, dass diese Patente wahrscheinlich im europäischen Patentregister zu finden sein müssten. In Summe werden dort aber nur 8 Erfindungen gelistet (Stand: 10.3.2015), wenn man den Namen „Nunzio La Vecchia“ sucht. Bei zwei Einträgen handelt es sich um eine Computermaus, zwei weitere Einträge beschreiben ein Navigationssystem für eine Webseite. Drei Einträge beschäftigen sich mit Solarenergie und ein Eintrag mit einem elektronischen Gerät zum Austausch von persönlichen Daten.

Es wird zwar auf länderspezifische Patente hingewiesen, allerdings gingen wir davon aus, dass Patente mit einem substanziellen Wert auch beim europäischen Patentamt angemeldet werden, um sie europaweit zu schützen. Zumindest das Design des Wagens ist wirklich gelungen.

Fazit:

Wie würden uns natürlich wünschen, dass Nanoflowcell wirklich das hält, was die Firma verspricht. Die schillernde Vergangenheit von Nunzio La Vecchia ist dabei leider nicht hilfreich. Aber wie heißt es so schön. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bildernachweis: Nanoflowcell